Das Heimatmuseum informiert:

Tennisbaron Gottfried von Cramm

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Gottfried von Cramm und Hilde Krahwinkel
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Heimatpfleger Werner Sührig (3. v. l.) erklärt Einzelheiten zu Gottfried von Cramm

Gottfried von Cramm „Tennis-Baron und nobler Verlierer“

Gedächtnisausstellung zum 40. Todestag im Heimatmuseum Brüggen

 

Gottfried von Cramm, der Tennis-Baron, der am 09. November 1976 nach einem tragischen Verkehrsunfall auf dem Weg in das Kairoer Krankenhaus verstarb, gilt als einer der besten Tennisspieler, der in Wimbledon aber nie einen Einzeltitel gewonnen hat. Verehrt und gefeiert wurde der Gentleman vor allem wegen seiner Haltung auf und neben dem Platz.  Der weltberühmte Sohn Brüggens Gottfried von Cramm war als Einkäufer von ägyptischer Baumwolle unterwegs, die er für seinen Großhandel in Hamburg benötigte, als sein Personenwagen von einem Lastkraftwagen seitlich gerammt wurde.  

Nach Überführung des Leichnams folgte ein bewegender Trauergottesdienst in der Bodenburger Johanniskirche mit anschließender Beisetzung auf dem Familienfriedhof der von Cramms in Oelber am weißen Wege.

Gottfried ist als drittältester von sieben Brüdern 1909 in Nettlingen geboren und in Brüggen aufgewachsen. Als Graf Ernst von Steinberg im Jahre 1911 verstarb, erbte dessen Tochter Jutta, verheiratet mit Dr. Burghard von Cramm, die Brüggener Besitzungen. Im Schlosspark spielte er Tennis mit Eltern und Brüdern und schon als 13 jähriger wollte er „World Champion“ werden. Tatsächlich war er der erste Deutsche, der das Finale von Wimbledon erreichte. 1933 gewann Gottfried von Cramm gemeinsam mit Hilde Krahwinkel das gemischte Doppel in Wimbledon. 1935 bis 1937 stand er jeweils im Endspiel, gewann aber nie den Einzeltitel. Fairplay und Respekt vor dem Gegner waren ihm wichtiger als der Sieg. Der Stil, in dem er verlor, macht ihn viele Jahre später zum Gewinner. Er wird posthum im Jahr 2008, 32 Jahre nach seinem Tod, in die Ruhmeshalle des deutschen Sports in Berlin aufgenommen. Außer von Cramm sind dort noch aus der Sparte Tennis Cilly Aussem, Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich vertreten.

Immer wieder triumphierte der Tennisbaron mit seinem Fairplay, seiner Haltung und seinem vorbildlichen Tennisspiel. Im Juli 1937 stand von Cramm im Endspiel dem US-Amerikaner Donald Budge gegenüber, der ihn wie folgt lobte: „Er spielt schönes, einfach beneidenswertes Tennis. Das war ihm wichtiger als der Sieg“.

Sein letztes Davis-Cup-Match bestreitet von Cramm 1953. Seine Bilanz: 82 Siege in 102 Matches. Er war der erfolgreichste deutsche Tennisspieler der 30er bis 50er Jahre des letzten Jahrhunderts und war in seiner Popularität vergleichbar mit der Boxlegende Max Schmeling.

Wie in jedem menschlichen Leben lagen auch bei Gottfried von Cramm Freude und Leid dicht beieinander. Die Nazis machten ihm das Leben schwer, denn er konnte ihnen nichts abgewinnen. Er wurde wegen Homosexualität verhaftet, durfte kein Offizier werden und scheiterte in zwei Ehen. Er war geachtet und hatte weltweit Freunde, er spielte zum Beispiel in Stockholm auch Tennis mit dem schwedischen König Gustav V. und erhielt höchste deutsche Auszeichnungen für seinen Sport. Mehrere Straßen sind nach ihm benannt und Biographien wurden über von Cramm geschrieben.

Unter den zahlreich, interessierten Besuchern am Sonntag war auch die ehemalige Sekretärin Margret Behre aus Adenstedt. Margret Behre war von 1976 bis 1978 bei Siegfried von Cramm in Bodenburg im Sekretariat tätig. Von 1980 bis 20012 arbeitete sie als Sekretärin bei Burghard von Cramm in Bodenburg.

Quelle LDZ - Text und 1 Foto: Rolf Ike

 


 

 

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Allgemeine Informationen

Sie finden das Heimatmuseum neben der Kirche, Hohle Str. 2, 31033 Brüggen
 
Das Heimatmuseum wurde im Oktober 2001 eröffnet, nachdem Werner Sührig mit Wirkung vom 01. Januar 2001 zum ehrenamtlichen Heimatpfleger der Gemeinde bestimmt wurde. Seit der Eröffnung fanden über 15 Sonderausstellungen in den Räumlichkeiten statt. Davon war die über den Tennisbaron Gottfried von Cramm, der in Brüggen seine Kinder- und Jugendzeit verlebte, die erfolgreichste.
 
Leiter des Heimatmuseums:
  
Werner Sührig, An der Beeke 17, 31028 Gronau, Telefon: 05182 - 529 911



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